Wolfs KaleidoskopLichterkette in Gedenken an kleine Engel

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K A L E I D O S K O P


Wenn ich einen grünen Zweig im Herzen trage,
wird sich ein Singvogel darauf niederlassen.
(Chinesische Weisheit)





Kaleidoskop des Lebens

Wir alle sind Bestandteil des großen Kaleidoskop des Lebens - und haben allein schon von daher allen Grund, nicht nur dankbar zu sein, sondern den anderen neben uns gelten zu lassen. Ob er nun braun, gelb, rot, schwarz oder weiß ist, auch er ist ein Mensch. Auch er hat seine Religion, seine Werte, an denen er sich orientiert. Halten wir es also mit der Ringparabel von Lessings "Nathan der Weise": Entweder hatte jeder einen echten oder jeder einen falschen Ring. Aber jeder hatte einen Ring. Einen Ring, den er von seinem Vater bekommen hat. Somit liegt es an jedem Einzelnen, zu beweisen, dass sein Ring der echte ist. Erst wenn wir uns bemühen, dem Lebensmotto:

"Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst "

nachzugehen, wird unser Ring glänzen. Wobei der Nächste der Nächste nebenan sein kann, der Araber, der Jude, der Christ, der Moslem, der Hindu oder welcher Religion auch immer er angehört. Auch diese alle haben ihren Ring, den sie glänzen lassen können...


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Annas Chance
oder
Wenn Bürokraten ein Leben verwalten


Anna ließ den Löffel fallen. Das Kerzenlicht, das eigentlich eine wohlige, warme Atmosphäre geschaffen hatte, verblasste gegen das, was ihre Pflegemama gerade gesagt hatte. Ursprünglich wollte sie an diesem Abend noch mit ihrer „Schwester“ tanzen, vielleicht auch schon etwas für Weihnachten basteln, da hatte Bettina – so hieß ihre Pflegemama – den Satz über den Tisch geworfen (gar nicht einmal laut, eher im Gegenteil), der ihre ganze Zukunft verändern sollte:
„Du wirst zu deiner richtigen Mama zurückkehren, mein Liebes“, hatte sie gesagt. Obwohl sie es eher liebevoll und traurig ausgesprochen hatte, kam es Anna schneidend vor, so, als würde ihr die Luft zum Atmen abgeschnitten.

Anna war ein ruhiges, schmales, in sich gekehrtes Mädchen von nun 11 Jahren. Vor über einem Jahr musste sie ihre Mutti verlassen, was sie erst gar nicht so recht verstanden hatte. Aber Bettina hatte ihr feinfühlig erklärt, dass Annas Mutter Probleme mit dem Alkohol hatte, auch Medikamente einnahm, so dass sie sich nicht richtig um ihre Tochter kümmern konnte. Hinzu kam – was Anna auch aufgefallen war, ohne dass es ihr bewusst wurde -, dass sie alle paar Tage plötzlich einen neuen Pappi hatte. Das Jugendamt hatte daraufhin beschlossen, dass Anna dort nicht länger wohnen bleiben konnte.
Die Tante, die sie abholte, sagte ihr, sie sei ihrer Mutter nur lästig, sie könne Anna nicht brauchen. Das hatte sie zwar sehr, sehr traurig gemacht, ihr aber doch den Abschied von ihrer Mutter auch erleichtert.

Schwere Wolken verdunkelten die Sonne, als sie abgeholt wurde – als sie aber kurz darauf zu Bettina gebracht wurde, stand sie strahlend hell am blauen Himmel, nur noch ein paar leichte Wölkchen waren zu sehen.
Bettina nahm sie sehr liebevoll in Empfang, und als Anna sah, dass sie nun sogar eine Schwester in ihrem Alter hatte, die Sophie hieß, da war die Trauer über den Abschied von ihrem Zuhause schon gar nicht mehr so groß.
Gleich darauf wurde sie erst einmal in die Wanne gesteckt. „Oder bist du etwa wasserscheu?“, fragte sie ihre neue Mami im Spaß. Natürlich war sie es nicht, sondern genoss das warme Wasser, das ein wohliges Gefühl über ihre Haut verteilte.
Die Folgezeit war dann einfach nur schön für sie, sie hatte nun ein richtiges Familienleben und genoss es, Liebe und Wärme zu erfahren – und auch, ein wenig verhätschelt zu werden. Das hatte sie bisher gar nicht gekannt. Es war zwar neu, aber ganz, ganz angenehm für sie. Das Spielen mit ihrer Schwester machte ihr viel Spaß, die neue Schule war toll, auch dort wurde sie gerne in die Klassengemeinschaft aufgenommen.
Im Sommer fuhren sie alle zusammen nach Juist, einer Insel in der Nordsee, nicht weit von der „Otto- Stadt“ Emden entfernt, wie sich herausstellte. Und Juist selbst war auch ganz toll, denn dort gibt es keine Autos, nur Fahrradfahrer, Fußgänger und – Pferdekutschen! Anna liebte es, die Pferde anzuschauen, wo immer sie eines traf. Einmal wagte sie sogar, eines zu streicheln. Es ließ dies sogar zu und schien sich zu freuen über Annas Händchen, die zaghaft und vorsichtig die Nase des Pferdes berührten.
Alles war wie ein Traum in diesem neuen Leben.

Und mitten in diesen wunderschönen Traum hinein hieß es: Du gehst zu deiner Mutti zurück!
Sicher, Anna liebte ihre Mutter, auch wenn sie bei ihr nicht solche Gegenliebe gefunden hatte wie in ihrer neuen Familie. Als der erste Schock vorüber war, freute sie sich sogar etwas, sie wiederzusehen. Aber eigentlich wollte sie doch lieber auf Dauer in ihrer neuen Familie bleiben, das war viel schöner!
Wie sie später erfuhr, hatte ihre Mutter eine Entziehungskur erfolgreich hinter sich gebracht, und die Ärzte hatten ihr bescheinigt, dass man wieder versuchen könne, Anna mit ihrer Mutter zusammenleben zu lassen.
Also hatte das Jugendamt kurzerhand verfügt, dass „alle persönlichen Gegenstände des Kindes unverzüglich und unversehrt, sauber und ordnungsgemäß verpackt zum Abtransport“ am betreffenden Tag zur Verfügung stehen sollten, das Kind inclusive. Der Ton des Schreibens war der Sachlage in keinster Weise angepasst und wurde der Mühe und auch den Kosten, die Annas neue Eltern gehabt hatten, und der Sorge, die sich Bettina nun um Anna machte, nicht auch nur annähernd gerecht. Wenn alles, was Anna gehörte und was sie brauchte, am Tage, als sie zu Bettina und Sophie gekommen war, auch so ausgesehen hätte, dann könnte man ja vielleicht nichts sagen, aber im Gegenteil, vieles hatte noch besorgt werden müssen, weil Anna es einfach nicht hatte.
Außerdem waren weder Bettina noch Anna selber überhaupt gefragt worden. Aus heiterem Himmel hatte der Postbote an diesem Morgen die Hiobsbotschaft überbracht. Und alle Versuche Bettinas, mit der Anna betreuenden Psychologin, der Sozialarbeiterin oder gar mit Annas Mutter zu sprechen, um dem Mädchen etwas mehr Zeit zur Gewöhnung an die neue Situation zu geben, scheiterten.

So war – ebenso wie damals, als sie der Mutter weggenommen worden war, nur zu diesem Zeitpunkt zum Vorteil des Mädchens – auch wieder über Annas Kopf hinweg entschieden worden, rein bürokratisch, ohne den Hauch von Herz zu zeigen. Wie Anna, Bettina oder auch ihre „Schwester“ Sophie damit zurecht kamen, hatte das Amt nicht berücksichtigt. Oder es war ihm egal gewesen.
Und somit war die Chance, dass Anna es einmal besser haben würde als ihre Mutter und deren Familie, vertan. Annas Weg war vorprogrammiert.

Allerdings versprachen sich Anna, Bettina und Sophie hoch und heilig, dass sie immer ganz fest an einander denken wollten – und vielleicht eines Tages wieder einmal einen so schönen Urlaub gemeinsam zu verbringen wie in diesem Sommer auf Juist..






Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

(Quelle: Erich Fried "Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte", Berlin 1996.)

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Ausländische Deutsche –
Ein Versuch, Verständnis zu wecken, Vorurteile abzubauen und
die Angst vor dem Fremdsein zu nehmen

Woher kamen sie – woher kommen sie heute?
Viele unserer Mitbürger, die heute Opfer von feigen Anschlägen sind, haben wir gerufen. Sie hatten als „Müllmänner der Nation“ unsere Wirtschaft aufzubauen und kamen vorwiegend aus den heutigen südlichen EG- Ländern Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und der Türkei.
Der millionste „Gastarbeiter“ wurde sogar besonders geehrt.
Untergebracht waren sie zumeist in Baracken, mussten in Zuständen leben, die kein in Deutschland geborener Mensch je im Ausland akzeptieren würde.
Sie dürften Steuern zahlen und die Sozialversicherungskassen auffüllen, ohne je wirklich davon zu profitieren, und hatten Tätigkeiten zu übernehmen, die getan werden mussten, aber von keinem hier Gebürtigen ausgeführt werden wollten.
Sie ließen es sich gefallen – und holten natürlich auch ihre Familien nach Deutschland. Weitaus die Mehrzahl ihrer heute hier lebenden Kinder wurde hier geboren.
Als wir sie riefen, dachten wir sozusagen Arbeitseinheiten ins Land zu holen, die bei Bedarf ausgewechselt und zurückgeschickt werden konnten.
Wir übersahen, dass auch sie Menschen waren und sind.

Viele von den ausländischen Mitbürgern, die heute zu uns kommen, sind vielfach politisch Verfolgte, Asylanten und Flüchtlinge, die in ihren Heimatländern um ihr Leben bangen müssen. Sie fliehen vor Gewalt in den verschiedensten Prägungen.

Woher kommt das?
Beispielsweise exportieren Staaten der westlichen Welt – auch wir – Waffen und Krieg in Länder, die reich an Bodenschätzen sind. Einige wenige in diesen Ländern verdienen sich zusammen mit den Exportländern eine goldene Nase daran – die Mehrheit der Bevölkerung ist fast rechtlos, bettelarm und dazu ausersehen, als Zivilisten den Krieg mit dem Leben zu bezahlen.
Dies gilt auch für den Marktbereich.
So werden z.B. Monokulturen angelegt, die den reichen Landbesitzern durch Exporterlöse Devisen bringen und dazu führen, dass aufgrund der fehlenden Landwirtschaft die Bauern in diesen Ländern verhungern. Noch mehr als die wenigen Reichen dort verdienen die westlichen Industrieländer daran, ihre Wirtschaft wächst – auch unsere.
Und auch hier haben wieder die Waffenexporteure gut lachen: Die durch die sozialen Ungerechtigkeiten entstehenden Spannungen machen sich politische Gruppen und religiöse Fanatiker zunutze – ganz zu schweigen vom Militär -, um selbst an die Macht zu kommen und Bürgerkriege auszulösen, wo eben diese Waffen wieder gegeneinander eingesetzt werden.

Wir selbst sorgen also für die lebensbedrohlichen Situationen, vor denen unsere Mitbürger in ihren Heimatländern geflüchtet sind.

Selbst mit der Entwicklungshilfe läuft es nach einem ähnlichen Schema ab – auch hieran verdienen wir noch.
Wer kann da nicht verstehen, dass einige auch aus anderen als politischen Gründen aus ihren Ländern weggehen?

Aus all dem lässt sich zweifelsfrei ableiten, dass wir ein exportabhängiges Land sind – unsere Wirtschaft floriert nur, wenn Ausfuhren gesichert sind, wir sind nicht autark.
Wir brauchen Abnehmer unserer Waren und Dienstleistungen im Ausland, brauchen ausländische Investoren, die ihre Gelder hier bei uns anlegen.

Wir sind abhängig von Ausländern (die nicht in Deutschland leben) – und auch von unseren ausländischen Mitbürgern.

Denn nach wie vor gilt, was schon in den 60ger Jahren galt: Sie zahlen Steuern in unsere Steuerkassen, Kranken- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge, damit wir krankfeiern und Arbeitslosenunterstützung beziehen können; sie zahlen auch unsere Renten (mit).
Denn ohne Ausländer in unserem Land brächen die Kassen zusammen – Renten könnten nicht mehr gezahlt werden (zumal unsere Geburtenzahlen nach wie vor zu wünschen übrig lassen).

Unsere ausländischen Mitbürger finanzieren unseren Wohlstand, unser Auskommen, unseren Sozialstaat.

Das bedeutet, wir müssen miteinander reden und Vertrauen herstellen. Deutscher mit Deutschem, Deutscher mit Ausländer, Ausländer mit Ausländer, Asylsuchendem und Deutschen.
Allein schon uns selbst zuliebe. Nicht nur, aber auch.

Und wer liebt es nicht, sich ab und zu Döner Kebap zu holen, zum Griechen an die Ecke zu gehen oder sich eine schöne Pizza ins Haus kommen zu lassen?

Ausländische Mitbürger finanzieren nicht nur unseren Wohlstand, sie geben uns sogar auch noch zu essen.

Wer sie vertreiben will, vertreibt sich selbst.
Und uns alle, die wir nicht deren Ansicht sind.


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Freitag, der 13.

Erlebnisse eines Durchschnittsbürgers

Es ist zehn Uhr, Hubert Korschenbroich verlässt seine Wohnung, um sich eine Packung Zigaretten aus dem Automaten oben an der Ecke zu ziehen. Ach, heute laufe ich mal, beschließt er spontan, für die fünf Minuten brauche ich ja nicht den Motor anzuschmeißen!
Nach 45 Minuten kehrt er wieder zu seiner Wohnung zurück – man braucht doch zu Fuß länger als ich gedacht habe, denkt er und kramt in seinen Taschen.
„Mist, Schlüssel vergessen auch noch!“ brummt er ärgerlich vor sich hin und klingelt.

Agathe, seine Frau, öffnet die Tür: „Sie wünschen?“, fragt sie, wobei sie ihn von oben bis unten mustert. „Ich bin´s doch, Hubert, dein Mann! Erkennst du mich denn nicht?“ „Sie müssen sich täuschen, mein Herr, ich weiß nicht, wessen Mann Sie sind, meiner jedenfalls nicht!“ „Agathe, du musst mich doch erkennen!“ ruft Hubert verärgert aus. „Auch wenn Sie meinen Vornamen kennen, ist das noch lange kein Grund, mich so zu nennen und mich zu duzen!“entgegnet Agathe schroff.
Da kommt Christin, ihre Tochter, zur Tür. „Was ist denn hier los?“ fragt sie erstaunt.
„Ach, nichts weiter – dieser Typ da behauptet, mein Mann zu sein - lächerlich!“ „Dann wäre DER ja mein Vater! Iiii, nein, so´n Typen hab ich nicht zum Vater! Hau´n Sie ab!“
„Aber Christin!“ Ungläubig fleht Hubert nun: „Du musst mich doch erkennen! Ich bin´s, dein Vater, mit dem du dich vorhin noch unterhalten hast! Wir sprachen darüber, dass du heute Abend ins Kino willst...“ „Ich weiß nicht, woher Sie das wissen, das stimmt, darüber hab ich vorhin mit meinem Vater gesprochen – aber nicht mit Ihnen!“

Bei diesen Worten kommt Felix, der Sohn des Hauses, aus der Schule zurück. „Was gibt´s denn hier? Aufstand?“ feixt er. „Dieser Mann da behauptet, mein Mann und Euer Vater zu sein!“ – „Mein Vater? Nein, so einen großen Quatsch hab ich noch nie gehört! Kann ja jeder kommen und das behaupten! Hau´n Sie ab, Mann, sonst setzt es was!“
Bedrohlich geht Felix auf Hubert zu.
Diesem bleibt nichts übrig als niedergeschlagen das Weite zu suchen, will er nicht von seinem eigenen Sohn geschlagen werden.

Was ist heute nur los? Spinnen die alle? Wenn ich nicht genau wüsste, dass ich Hubert Korschenbroich bin, dass ich gerade mit Agathe, meiner Frau, und meinen Kindern Christin und Felix wie mit Fremden gesprochen habe, könnte ich an mir selbst zweifeln! Was tun?
Hubert überlegt eine Weile, dann fällt ihm eine Lösung ein: Sein Personalausweis! „Das ist es!“ ruft er froh vor sich hin. „Mein Personalausweis! Klar, ich geh jetzt zum Einwohnermeldeamt und zu der freundlichen Frau Müller, die kennt mich ja auch!“
Spricht´s und geht dorthin. Als er nach einiger Wartezeit endlich an der Reihe ist, zückt er seinen Personalausweis und fragt: „Frau Müller, bin ich, der ich bin?“ Die Beamtin schickt ihm einen skeptischen Blick über die dicken Ränder ihrer Hornbrille. „Ich weiß nicht, welche Identitätsprobleme Sie haben, Herr Korschenbroich, aber als ich Ihnen vor einer Woche Ihren neuen Personalausweis ausgehändigt habe, waren Sie es noch!“ entgegnet sie verwundert.

„Sie erkennen mich? Sie reden mich mit meinem Namen an? Da fällt mir aber ein großer Stein vom Herzen! Mich gibt´s wirklich!“ – Wieder erreicht ihn so ein Blick, noch etwas skeptischer als beim ersten Mal. „Wissen Sie, ich bin gerade nach Hause gekommen – aber meine gesamte Familie hat mich nicht erkannt, mich wie einen Fremden behandelt – und mein Sohn hat mir sogar Prügel angeboten! – Ich könnte Sie küssen, Frau Müller!“ fügt er noch erleichtert hinzu.

„Ach, lassen Sie das mal, gehen Sie lieber wieder nach Hause! Ich kann mir da keinen Reim drauf machen, was Sie mir da erzählen, aber es steht fest, dass Sie Hubert Korschenbroich sind, ergo wohnen Sie auch in der Drosselgasse 7! Sie können Ihrer Frau ja Ihren Ausweis zeigen und einen schönen Gruß von mir bestellen, vielleicht glaubt sie Ihnen ja dann!“ fügt Petra Müller lächelnd hinzu.
„Danke, danke – und einen wunderbar herrlichen Tag noch, Frau Müller!“
„Danke, Ihnen auch – und: Viel Glück!“
Froh gelaunt verlässt Hubert das Einwohnermeldeamt. Das war doch eine gute Idee, hierher zu gehen! denkt er und beschließt, zur Verstärkung und zur Sicherheit noch seinen Freund Alex mitzunehmen, wenn er wieder nach Hause geht.
Dieser ist auch gern bereit, seinen Freund zu begleiten, auch wenn er nicht so ganz versteht, was der da so faselt. Er wird wohl etwas zu tief ins Glas geschaut haben gestern Abend! denkt er sich nur.

Als beide vor Huberts Wohnung stehen, zückt dieser seinen Personalausweis und drückt auf die Schelle. „Da bist du ja endlich!“ ruft ihm Agathe zu. „Hast du deinen Schlüssel vergessen? Ich hab mir schon Sorgen gemacht, wo du abgeblieben bist! – Was soll der Ausweis?“
„Ach, Pappi, da bist du ja – hast du wenigstens meine Kinokarten mitgebracht, wenn du schon so lange weg warst?“ fragt Christin neugierig, die auch an die Tür kommt.
„Mhh – ja, Schlüssel vergessen, nein, Kinokarten hab ich nicht!“ murmelt Hubert verwirrt mehr zu sich selbst. „Ihr erkennt mich?“
„Ja, wieso denn nicht, du Dummerchen – ich werd doch wohl noch wissen, mit wem ich verheiratet bin!“ entgegnet Agathe mit einem ironischen Lächeln um ihre Augen. Er hat doch gestern gar nicht so viel getrunken! denkt sie nur. „Und ich brauche nicht zu beweisen, dass ich ich bin? Ich hab extra noch Alex zur Verstärkung mitgebracht...“
„Ach, Alex, grüß dich! Hab dich ja noch gar nicht beachtet. Kommt doch endlich rein! Wir essen gleich, willst du etwas mit uns essen, Alex?“ „Nein, danke, Agathe. Ich geh dann mal wieder nach Hause, hab noch ein paar Reste von gestern!“ „Wie du meinst, du musst es wissen, kannst gern bleiben, ist genug da! Aber wenn du lieber nach Hause willst, dann mach´s mal gut, bis bald!“ „Ja, macht Ihr´s auch mal gut, Agathe, wir sehen uns!“

„Und du, mein Lieber, erzähl mir jetzt mal, was der ganze Unfug soll!“
Bei diesen Worten kommt Felix nach Hause, meint nur „Na, Alter, alles ok?“, stubst Hubert, der instinktiv leicht zurückweicht, leicht an die Schulter und fragt: „Wann gibt´s was zu essen?“

Hubert muss sich nun erst einmal sammeln. Dann erzählt er seine Erlebnisse von diesem Morgen. Freilich erntet er damit nur ungläubiges Staunen: „Ja, wenn heute der 1. April wäre, dann wäre das ein ganz schlimmer Aprilscherz, in den du uns da schicken willst...! Bei uns hat heute den ganzen Morgen keiner gepingelt!“
„Ist aber leider keiner, kann mir selbst nicht erklären, was da abgelaufen ist. – Vielleicht sollte ich keine Zigaretten mehr holen – zumindest nicht an einem Freitag, dem 13.! Dabei dachte ich bis jetzt, dies sei eher mein Glückstag!“ Hubert findet so langsam wieder zu seinem alten Humor zurück. Erklären aber kann er sich das Ganze noch immer nicht....

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Die Hand des Meisters

Sie war angeschlagen und zerkratzt, und der Auktionator dachte, dass es kaum der Mühe wert sei, viel Zeit mit dieser alten Geige zu vergeuden. Aber mit einem Lächeln hielt er sie hoch: "Was wird geboten? Ein Dollar, zwei Dollar, wer bietet drei? Drei Dollar zum ersten, zum zweiten, zum..."
Aber nein! Aus dem hinteren Teil des Raumes kam ein alter Mann nach vorn und nahm den Geigenboden auf. Dann spannte er die Saiten und spielte eine Melodie so rein und lieblich, wie ein Weihnachtsengel singt. Als die Musik zu Ende war, fragte der Auktionator erneut: "Was wird für diese Geige geboten? Eintausend Dollar, und wer bietet zwei? Zweitausend Dollar, und wer bietet drei? Dreitausend Dollar zum ersten, zum zweiten - und weg."
Die Leute klatschten Beifall, aber einige fragten: "Was hat denn den Wert der Geige so verändert?"
Jemand erwiderte: "Die Berührung durch die Hand des Meisters." -
Genauso scheint ein Mensch seinen Wert verloren zu haben, wenn er angeschlagen und sein Leben angekratzt ist. Doch dann kommt der Meister, und durch die Berührung erhält das scheinbar wertlose Leben seinen wahren Wert wieder zurück.
(Neukirchner Kalenderblatt vom 30.11.1996)

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Und so ist es ......

Gott erschuf den Esel und sagte zu ihm:
Du bist ein Esel.
Du wirst von morgens bis abends arbeiten und schwere Sachen auf deinem Rücken tragen.
Du wirst Gras fressen und wenig intelligent sein.
Du wirst vierzig Jahre leben.
Darauf entgegnete der Esel:
40 Jahre ist viel zu viel, gib mir bitte nicht mehr als zwanzig Jahre.

Und es war so....

Dann erschuf Gott den Hund.
Du wirst über die Güter des Menschen wachen, deren ergebenster Freund
Du sein wirst.
Du wirst das essen, was der Mensch Dir übrig lässt und 25 Jahre leben.
Der Hund antwortete:
Gott 25 Jahre so zu leben , ist viel zu viel. Bitte nicht mehr als 10 Jahre.

Und es war so....

Dann erschuf Gott den Affen und sprach:
Du bist ein Affe.
Du sollst von Baum zu Baum schwingen und Dich verhalten wie ein Idiot.
Du sollst lustig sein, und so sollst Du für 20 Jahre leben.
Der Affe sprach:
Gott, 20 Jahre als Clown der Welt zu leben, ist viel zu viel.
Bitte gib mir nicht mehr als 10 Jahre

Und es war so ....

Schließlich erschuf Gott den Mann und sprach zu ihm:
Du bist ein Mensch, das einzige rationelle Lebewesen, das die Erde bewohnen wird.
Du wirst Deine Intelligenz nutzen, um Dir andere Geschöpfe untertan zu machen.
Du wirst die Erde beherrschen und für 20 Jahre leben.
Darauf sprach der Mann zu Gott:
Gott, Mann zu sein für nur 20 Jahre ist nicht genug.
Bitte gib mir die 20 Jahre, die der Esel ausschlug, die 15 Jahre des Hundes und die 10 Jahre des Affen.

Und so war es ....

Und so sorge Gott dafür, dass der Mann 20 Jahre lebt, dann heiratet und 20 Jahre als Esel von morgens bis abends arbeitet und schwere Lasten trägt.
Dann wird er Kinder haben und 15 Jahre wie ein Hund leben, das Haus bewachen, und das essen, was die Familie übrig lässt.
Dann, im hohen Alter, lebt er 10 Jahre als Affe, verhält sich wie ein Idiot und amüsiert die Enkelkinder

Und es ist so...

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Die Lilie und das Vögelchen

Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard erzählte einmal folgende Geschichte:

Eine Lilie stand an einem Bachufer und lebte in ihrer Schönheit sorglos und froh. Eines Tages bekam sie Besuch von einem Vögelchen, das sich sehr wichtig nahm. Es prahlte mit seiner Freiheit und belächelte die Lilie, die ja angewachsen war.
Woanders, so sagte das Vögelchen, wüchsen Lilien, die sähen viel prächtiger aus. Es gelang ihm, die Blume so zu demütigen, dass sie ganz bekümmert und mit sich unzufrieden wurde.
So unbedeutend kam sie sich schließlich vor, dass sie den Vogel bat, ihre Wurzeln freizulegen und sie dorthin mitzunehmen, wo die prächtigen Lilien blühten. Dadurch, so erhoffte sie, könnte auch sie noch viel schöner werden.
Der Vogel erfüllte die Bitte und trug die Blume auch tatsächlich unter seinem Flügel in die Luft - doch unterwegs verwelkte die Lilie.

Eine kleine Geschichte nur, doch will sie uns lehren, uns so anzunehmen, wie Gott uns schuf.
Wir haben auch kein Recht, auf andere herabzusehen.
In Gottes Augen sind sie genauso wertvoll wie wir.

(Neuk.Kalenderblatt vom 18.06.1984)

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Verzage nicht!

Wenn über dir sich Wolken türmen
und Schicksalsschläge hageln dicht,
steh wie ein Baum in schweren Stürmen,
der sich wohl biegt, doch nicht zerbricht.
Und wenn im Kampf mit dunklen Mächten
dir all und jede Hoffnung sinkt,
dann denk, dass auch in tiefsten Nächten
ein heller Stern am Himmel blinkt.
Halt fest dein Herz mit beiden Händen
und blicke vorwärts, nicht zurück.
Es kann sich alles wieder wenden
in einem einzgen Augenblick.
Ein Augenblick, der oft entscheidet
und alles Dunkel jäh durchbricht,
der überbrückt, was du erleidet.
Blick aufwärts und verzage nicht.
(Lisbeth Hoffmann)

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Danksagung


Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben.
Sie haben meine Phantasie beflügelt.

Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten.
Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.

Ich danke allen, die mich belogen haben.
Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.

Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben.
Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.

Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben.
Sie haben meinen Trotz geschürt.

Ich danke allen, die mich verlassen haben.
Sie haben mir Raum gegeben für Neues.

Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben.
Sie haben mich erwachsen werden lassen.

Ich danke allen, die mich verletzt haben.
Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.

Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben.
Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.

Ich danke allen, die mich verwirrt haben.
Sie haben mir meinen Standpunkt klar gemacht.

Vor allem aber danke ich all denen,
die mich lieben, so wie ich bin.
Sie geben mir die Kraft zum Leben!
Danke.

(Paulo Coelho)

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Glück ist,
in schöpferischer Arbeit sich verströmen,
im Einklang mit der inneren Veranlagung leben.
(Zenta Maurina)

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Der Bettler

„Verdammter Judenhund, mach, dass du von der Straße kommst!“
Laut knallte die Peitsche des römischen Soldaten in der Luft, ehe sie auf den Rücken des blinden Bettlers niederfuhr. Mit einem leisen Stöhnen taumelte der Alte zur Seite und sank zu Boden.
„Friede sei mit euch“, rief er leise in Richtung des weiter reitenden Soldaten und wischte sich über die Augen. Ein junger Schmied, der den Vorgang beobachtet hatte, trat langsam aus der Tür seines Hauses und schlenderte auf den am Boden Liegenden zu.
„Alter, dummer Simon. Wie oft haben sie dich schon von der Straße geprügelt? Und du wünschst ihnen noch Frieden. Die Pest soll sie alle holen!“ Verächtlich spuckte er aus und half dem Alten auf die Beine.
„Ach, weißt du, Jeremias, auch die Römer sind Menschen und unserer guten Wünsche wert.“
„Menschen!“ Der Schmied verzog das Gesicht zur Grimasse.
„Wilde Bestien sind sie, die uns – das auserwählte Volk – mit Füßen treten und uns ihre guten Wünsche mit der Peitsche auf den Rücken schreiben. Ich versteh dich nicht, Simon. Die römischen Bastarde waren es doch, die dir dein Augenlicht nahmen!“
„Das war Krieg, mein Junge, und im Krieg sind die meisten Menschen wie Bestien. Aber was würde es mir nutzen, ihnen zu zürnen und ewige Rache zu schwören? Würde ich dadurch mein Augenlicht zurückerhalten? Nein, nein. Rache ist wie ein Feuer: ehe der Mensch es in die Hütte seines Feindes werfen kann, verzehrt es ihn selbst. Aber den Frieden, Jeremias, den Frieden kann jeder Mensch brauchen, auch ein Römer.“
„Ja, ja, das kenn ich schon.“ Der Schmied wandte sich ab und ging zurück ins Haus. Auf der Schwelle drehte er sich noch einmal um.
„Doch warte nur, bis der Messias kommt. Mit Schwert und Feuer wird er die römische Brut vom Erdboden vertilgen! Er wird uns befreien von den Fesseln der Knechtschaft und als König ein ewiges Reich errichten, dem kein Feind trotzen kann.“
Die Augen des jungen Mannes funkelten, und ohne auf eine Entgegnung zu warten, verschwand er im Haus. Aus ihm hatte die Hoffnung unzähliger Juden gesprochen, die auf einen Messias warteten, der sie vom Joch der Römer befreien sollte.
„Wenn ihr euch in eurem Messias nur nicht täuscht!“ murmelte der Alte, als er die Hammerschläge aus der Schmiede tönen hörte, und klopfte sich den Staub von seinem Gewand. „Wenn ihr euch nur nicht täuscht!“
Er wollte gerade die Gasse hinauf seinen Weg fortsetzen, da hörte er aus der Stadt Lärm herauftönen, der sich ihm langsam näherte. In der Furcht vor erneuten Peitschenhieben eilte der Alte an eine Hauswand. Er wollte warten, bis die lärmende Menge, die sich ihm unausweichlich zu nähern schien, an ihm vorübergezogen war.
Die Stirn in Falten gelegt, lauschte er angestrengt. Er hörte zornige Schreie, Peitschenhiebe und ein eigenartig schlürfendes Geräusch. Was mochte das Getöse bedeuten? Der Lärm kam immer näher. Nur schwer konnte er einzelne Wortfetzen heraushören. Viele Stimmen schrien wild durcheinander. Sie schimpften und fluchten einem Manne, der anscheinend ein gefährlicher Verbrecher war. Simon machte einen Schritt von der Wand weg, um die Rufe besser verstehen zu können. So aufgebracht hatte er die Menge noch selten erlebt. Aber er konnte aus dem ganzen Schreien und Lärmen nicht heraushören, was der Mann Schlimmes getan hatte, noch, was nun mit ihm geschehen sollte.
„Gott schütze ihn“, murmelte Simon. Ihm war dieser aufgepeitschte Pöbel zuwider. Die Opfer solchen Volkszornes fanden immer sein Erbarmen. Er war froh, dieses Schauspiel nicht mit ansehen zu müssen.
Schon hatte die Menge ihn erreicht und Soldaten machten die Straße frei. Laut knallten ihre Peitschen aufs Pflaster. Der alte Mann drückte sich dichter an die Wand, um nur nicht noch einmal von der Peitsche eines Römers getroffen zu werden. Da trat sein Fuß auf einen lockeren Stein und er verlor den Halt. Er taumelte nach vorn, konnte sich nur mühsam auf den Beinen halten und stolperte genau auf die vorüber ziehende Menge zu. Sofort traf ihn ein gezielter Peitschenhieb auf die Schulter. Er sank zu Boden, war nahe daran, das Bewusstsein zu verlieren, und blieb einige Augenblicke regungslos liegen.
Plötzlich hörte er, wie dicht neben ihm ein Balken oder Ähnliches aufs Pflaster fiel und ein Mann stöhnend zusammenbrach. Das musste jener sein, gegen den sich die aufgebrachte Menge verging. Vielleicht wollten sie ihn steinigen oder ihm sonst ein Leid zufügen. Schnell richtete sich der Alte auf, ertastete den Arm des Fremden und sprach ihm Mut zu. Da legte dieser seine Hand auf die des Bettlers und sprach mit schwacher Stimme:
„Du hast ein großes Herz, dass du dich selbst des Niedrigsten erbarmst. So will auch ich mich deiner erbarmen.“
Der Alte stutzte, er verstand die Worte des Fremden nicht, doch ehe er noch darüber nachdenken konnte, wurde er hart an der Schulter gepackt und zur Seite gestoßen. In der Nähe eines alten Brunnens stürzte er nieder und blieb einige Augenblicke benommen liegen.
Nur langsam kam er wieder zu sich. Mühsam richtete er sich auf und...
Ihm stockte der Atem. So schnell er konnte, stand er auf, eilte zu dem nahen Brunnen und wusch sein Gesicht, rieb sich die Augen und...
Tatsächlich! Es war wahr! Er schluckte. Wie war das möglich? Ungläubig blickte er in das Wasser des Brunnens, in dem sich langsam wieder sein Spiegelbild formte. Dann schaute er auf seine Hände, die Häuser, die Straße. Er konnte es nicht fassen! Das musste der Fremde bewirkt haben! Er musste ihm danken!
Suchend blickte sich der Alte um, doch der Zug war längst weiter gezogen. Er sah nur noch, wie außerhalb der Stadt ein hölzernes Kreuz aufgerichtet wurde.


(Thomas Eich)

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Seine Freude in der Freude
des anderen finden können:
Das ist das Geheimnis des Glücks.

(Georges Bernanos, 1888 - 1948)

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Ein Nachtgebet

Die Nacht kommt. Du hast sie uns, Vater, freundlich gegeben als die Zeit der Stille, die Zeit der Sammlung, die Zeit des Schlafens.
Lass mich dich, der du Bitten erhörst, um eines bitten:
um das Gedächtnis für das Gute.

Ich weiß nicht, ob ich aus mir selbst die Kraft habe, das Widrige, Feindselige und Bittere, das mir widerfahren ist, so gründlich zu vergessen, wie es heilsam wäre.
So bitte ich dich: Lass mich recht bewahren, wie viel Gutes mir heute begegnet ist.
Ich werde, wenn ich einzuschlafen versuche, das Bündel meiner Gedanken nicht ablegen können, wie ich meine Kleider ablege.
So nähre du mich kräftig mit dem Gedächtnis an deine Guttat.

Unruhig gedenke ich deiner; lass mich glauben, dass du, Vater, anders meiner gedenkst; dass das Bruchstück meines ganzen Lebens trotz allem, was wider mich spricht, in dir geborgen ist.
Amen.

(Albrecht Goes, Neukirchner Kalenderblatt vom 21.09.2005)

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"Reden die Sterne?", fragte das Kind. Während ich nachdenke über die Frage, beginnt das Kind mit den Sternen zu reden und die Sterne erzählen ihm herrliche Märchen.
(Habib Bektas, türkischer Erzähler)

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Bearbeitet zuletzt am 19.02.2006










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